Luftiges Weinviertel

Luftiges Weinviertel

Mittwoch, 29. april 2020

Junge Winzer

Uns ist es wichtig, die Menschen und das Land hinter dem Wein kennenzulernen. Daher macht sich Hermann Sussitz per Rad auf, um ein Gefühl für eine Region zu bekommen. Den ersten Teil unserer vierteiligen Reihe über heimische Winzer im Jahr 2020 widmen wir Bernhard Gschweicher und Gerald Pass. Beide im westlichen Weinviertel beheimatet, Nachbarn quasi, sind sie uns nicht nur durch ihre saftigen Weine, sondern auch durch ihre zukunftsweisenden Ansichten positiv aufgefallen. So arbeiten beide „klimafreundlich“. Sie wissen um die Veränderung des Wetters Bescheid und begegnen diesem Umstand mit Innovation.

Gestartet habe ich meine Tour nahe der Donau wo das malerische, vom Weinbau geprägte Kamptal langsam in das wellige, voller Mischlandwirtschaft bestehende Weinviertel übergeht. Schöne Christusstatuen säumen die Wege, viele davon von Privaten gestiftet. Die gut 35km Anfahrt nach Röschitz gestalten sich mit dem Rad kommod und pittoresk, liegen doch schöne Orte wie Elsarn, Eggendorf, Maissau oder Burgschleinitz dazwischen. Eine Ahnung von der Schwere körperlicher Arbeit draußen bekomme ich bei Gegenwind. Der pfeift im recht flachen Land ordentlich und da kann es im Muskel schon zwicken. Bernhard Gschweicher hätte das bei Eintreffen gerne mit einem Gläschen Wein honoriert, doch ich setze erst einmal auf Wasser. Während wir das schön sanierte Gehöft, den Keller und die Weingärten besichtigen, fällt mein Blick auf einige Mini-Rebstöcke, die zu einem Drittel mit rotem Wachs überzogen sind. Es sind sogenannte Edelreiser, die neue Weingärten begründen oder in alten Weingärten punktuell nachgepflanzt werden. Hierfür verbindet man, im Fachjargon „propft“, einen Wurzelstock mit einem Weinpflanzentrieb. Das rot bewachste Teil ist das, was auf den Namen Grüner Veltliner oder Riesling hört und wo später einmal die Weintrauben wachsen. An dieser Bastlerei trägt die Reblaus Schuld. Die edlen Weintriebe waren dieser anno dazumal nämlich nicht gewachsen. Daher propft man die Triebe auf einen der Laus resistenten Wurzelstock, Unterlage genannt. Rund zwei Euro kostet so ein von speziellen Gärtnereien zumindest ein Jahr gezogener Edelreiser. Auch schön: Im Nahe dem Gut gelegenen Weingarten sieht man noch Belüftungssteine, die die darunterliegenden Uraltkeller mit Frischluft versorgt haben. Zurück im modernen Keller fällt mir angenehmerweise auf, dass Technik Ihren fairen Platz hat. Nicht mehr und nicht weniger. Bevor ich zum Kollegen Pass weiterradele, stärke ich mich noch ein wenig und bestaune einen etwa LKW-Reifen-großen Stein im Innenhof der Gschweichers. Ich schätze ihn auf 200 kg, laut Bernhard Gschweicher wiegt er 1,5 Tonnen. Und ist ein Exemplar derer es in der Erde des Reipersberges einige gibt. Das ist der älteste Weingarten der Familie, 1932 ausgepflanzt. Der von dort stammende Veltliner Primary Rocks, zu Deutsch Urgestein, singt mit heimischem Terroir. Druckvoll, saftig, nie fad. 

Während Bernhard Gschweicher einen bereits vorzeigbaren Weinbaubetrieb weiterentwickelt hat, baute Gerald Pass die Weinschiene des Familienbetriebs praktisch von Null auf. Qualitätsweine sind erst seit vergleichsweise kurzer Zeit ein Thema. Richtig gestartet hat er mit 19 Jahren, der heute 32-Jährige stemmt mit seiner Mutter und einem polnischen Helfer das Weingut alleine. Daneben baut er auch Getreide an, ein solider Grundpfeiler solange sich das Weingut im Aufbau befindet. Hier zeigt sich auch das Schwierige am „Bio“ in der Landwirtschaft. Wie Kollege Gschweicher arbeitet er größtenteils ohne chemische Spritzmittel. Im Weinbau gibt es übers Jahr über aber einige Phasen in denen er täglich mit biologischem Spritzmittel durch die Weingärten fahren bzw. gehen müsste. Da tun sich etablierte, in der Regal finanzstarke und gut vernetzte Bauern leichter. Abgesehen davon, dass auch im Bio-Anbau „Last resorts“ vulgo Umweltkeulen im Ausnahmefall erlaubt sind, will ich damit sagen, dass solcherart gemachte Weine auch auf jeden Fall Naturprodukte sind. Und was noch nicht „perfekt“ ist, kann es noch werden.

Was unterscheidet die Weinstilistik der beiden Weingüter? Gschweicher macht aktuell die druckvolleren, spannungsgeladeneren Weine. Die Veltliner haben einen schönen Trinkfluss bei moderater Säure und kaum Restzucker. Mir kam auch zu Ohren, dass sie von ärztlicher Seite als sehr histaminarm gelten. Was ich aus der Praxis bestätigen kann. Pass’ Weine sind sehr duftig, aber weniger mundfüllend. Was nicht heißt, dass sie leichter wären. Aber etwas säureärmer und so vor allem für Liebhaber „milder“ Weine das Richtige.

Der Besuch im Weinviertel inspiriert dazu, das Land im Fahren kennenzulernen. So fahre ich heim nach Wien, Raum fürs Nachdenken bleibt also. Und selbst wenn es schon spät ist und der Magen knurrt, nehme ich mir Zeit für die untergehende Sonne im Wienerwald. Wohl bekomms!

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